09.10.2026
Jena-Burgau, Wisenta
Exkursion

AGWA-Wochenende mit Exkursionen an der Saale

am 9. und 10. Oktober 2026

von Ute Frieße und Hans-Georg Spanknebel

Wie den Mitgliedern des Fördervereins AGWA bekannt ist, findet Anfang Oktober die 2. Veranstaltung eines Jahres mit wasserhistorischem Vortrag und Exkursion statt. Außer der Wiederholung der Vorstandswahl vom März standen auch ein Vortrag über das Leben und Wirken von Rudolf Straubel, einem der Initiatoren der Elektrifizierung Thüringens, sowie zwei Exkursionen zu diesem Thema auf dem Programm. Nach dem Eintreffen im Hotel „Zur Weintraube“ in Jena-Winzerla begaben sich die Teilnehmer/innen als Erstes auf den Weg zum nahe gelegenen Wasserkraftwerk Jena-Burgau (ehem. Alte Mühle), das sowohl als Kraftwerk als auch als Museum fungiert. Herr Jens Schmidt erläuterte den Anwesenden den Aufbau des Kraftwerkes und die Funktion der historischen Turbinen und Generatoren und informierte über den erforderlichen Bau zweier Fischtreppen.

Wasserkraftwerk Jena-Burgau
Wasserkraftwerk Jena-Burgau
Wasserkraftwerk Jena-Burgau
Wasserkraftwerk Jena-Burgau

Zurück im Hotel hielt Herr Dr. Reinhard Schielecke, der frühere Leiter der Universitäts-Sternwarte, seinen sehr interessanten Vortrag zum Leben und Wirken von Rudolf Straubel. Dieser gilt als Vater der Saaletalsperren und ihrer Kraftwerke. Straubel, der 1864 in Kleinschmalkalden geboren wurde, war Physiker an der Universität Jena und Erfinder technischer Geräte. Er baute z. B. ein Vertikalseismometer und beschäftigte sich mit Wellentheorie und den Röntgenstrahlen. Nach seinem Eintritt in die Zeisswerke als Nachfolger von Ernst Abbe widmete er sich auch der Planung und dem Bau von Wasserkraftwerken und Talsperren, um den wachsenden Energiebedarf der Fabriken zu decken. 1917 gründete er das Zeiss-Hydrobüro, das die wasser- und energiewirtschaftlichen Ideen umsetzte und von Wilhelm Langer, einem Bauingenieur aus Prag, geleitet wurde.

1909 erwarb Zeiss die „Alte Mühle“ in Burgau, die als Elektrizitätswerk ausgebaut wurde. Nachdem 1920 auch die Fernmühle in Ziegenrück in Zeiss-Eigentum überging und 1923 das Kraftwerk Am Conrod gebaut war, wurden die Pläne für den Bau einer Talsperre „An den Bleilöchern“ mit der Funktion des Hochwasserschutzes bei gleichzeitiger Energiegewinnung konkreter. Der Bau der Bleilochtalsperre nach den Plänen von Rudolf Straubel begann 1926. Bei der Einweihung 1932 wurde der Initiator weder erwähnt noch eingeladen, weil er mit einer jüdischen Frau verheiratet war und zu dieser stand. Straubels Leistungen wurden sowohl während der Nazi-Diktatur als auch in der DDR totgeschwiegen. 1980 wurde sogar sein Grabmal auf dem Jenaer Nordfriedhof beseitigt.

Nach der Mitgliederversammlung mit erfolgreicher Vorstandswahl fanden rege Unterhaltungen zu wasserwirtschaftlichen Themen bei einem gemeinsamen Essen im griechischen Restaurant „El Greco“ statt.

Der nächste Tag stand mit dem Besuch des Kraftwerkes Wisenta und dessen vorgelagerter Talsperre Walsburg erneut unter dem Motto Wasserkraft. Im ca. 55 km entfernten Kraftwerk begrüßte uns der frühere Leiter, Herr Manfred Lucas vor der Führung mit einem höchst informativen Vortrag über Bau und Funktion des Kraftwerkes und der Talsperren Wisenta und Walsburg. Nach der Besichtigung des Kraftwerkes mit der historischen Technik wurde durch die Mauer der Talsperre Walsburg gegangen, die auch als Unterbecken zur Pumpspeicherung dient. Man konnte die diversen Rohrleitungen, die Auffanggefäße und Messeinrichtungen für das Sickerwasser sowie die vielen Strom- und Datenkabel sehen.

Wasserkraftwerk Wisenta / Talsperre Walsburg
Wasserkraftwerk Wisenta / Talsperre Walsburg
Wasserkraftwerk Wisenta / Talsperre Walsburg
Wasserkraftwerk Wisenta / Talsperre Walsburg

Zurück ging es über die Sperrmauer, von der man den starken Strahl des Grundablasses bewundern konnte. Die Mauer endet beidseitig an steil gestellten Wänden aus dichtem Schiefergestein. Zum Schluss führte uns Herr Lucas in (s)ein kleines Museum. Darin sind nicht nur historische elektrische Geräte zu bewundern, sondern bei einer Vorführung auch der Krach zu hören, der bei der Zuschaltung bzw. Trennung der Generatoren vom Netz (mit Druckluft) entsteht. Auch alte Telefone, mechanische Schreibpegel und Dokumente aus der Zeiss-Zeit sind zu sehen. Rudolf Straubel ist mit seinen Porträts in vielen Räumen gegenwärtig und man fühlt sich tatsächlich in die Aufbruchzeit Anfang des 20. Jhd. versetzt.

Wasserkraftwerk Wisenta / Talsperre Walsburg
Wasserkraftwerk Wisenta / Talsperre Walsburg
Wasserkraftwerk Wisenta / Talsperre Walsburg
Wasserkraftwerk Wisenta / Talsperre Walsburg
Wasserkraftwerk Wisenta / Talsperre Walsburg
Wasserkraftwerk Wisenta / Talsperre Walsburg

Zum Abschluss der Exkursion wurde im Landgasthof „Fuchsbau“ in Walsburg nach Thüringer Art zu Mittag gegessen, bevor die individuelle Heimreise erfolgte. Alle Teilnehmer/innen waren sehr angetan von den beiden erlebnisreichen Tagen und fuhren mit neuem Wissen nach Hause.