Bericht über die Studienreise an den Golf von Neapel

30. Mai 2016 - 5. Juni 2016
von Ute Frieße, mit Ergänzungen von Hans-Georg Spanknebel, Fotos: Thomas Ritz
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Pozzuoli: Vulcano Solfatara

Die Deutsche Wasserhistorische Gesellschaft (DWhG) lud zu einer 6-tägigen Studienreise zu den Phlegräischen Feldern um Pozzuoli und Misenum im Großraum Neapel ein. Sowohl die Vorbereitung des Programms als auch die fachliche Leitung dieser wasserhistorischen Reise hatte dankenswerterweise Herr Prof. Dr. Mathias Döring übernommen. Unter den 50 Angereisten waren auch 7 Mitglieder des Fördervereins AGWA mit ihren Partnern. Die Teilnehmer trafen sich am Abend des 30. Mai 2016 im Miglio d ́Oro Park Hotel in Ercolano zu einem einführenden Vortrag von Prof. Döring.

Am 31. Mai ging es per Bus zu den Phlegräischen Feldern bei Pozzuoli. Dort erwartete die Teilnehmer ein erster, bei weitem jedoch nicht der einzige Höhepunkt dieser Reise. Die Rauchfahne der Solfatara war schon von der Autobahn aus zu sehen. Vor Ort machten sich die Ausdünstungen als schwefeliger Geruch des hier überall gegenwärtigen vulkanisch und tektonisch aktiven Gebietes bemerkbar. Besonders bewundert wurden die farbigen Ablagerungen auf den heißen Steinen. Die ganze Umgebung der ca. 65 km2 einnehmenden Phlegräischen Felder wird gestaltet von alten und neueren Vulkanen und deren Kratern. Oft befinden sich die jüngeren in den älteren Kratern. Bei einem Ausbruch 1538 entstand der Monte Nuovo innerhalb weniger Tage. Weitere Besichtigungspunkte waren der Ort des römischen Handelshafens und das Macellum mit dem Serapide-Tempel im Zentrum der kleinen Stadt Pozzuoli. Die Säulen des Tempels sind in etwa 5 m Höhe von Bohrmuscheln regelrecht angefressen worden. Lange Zeit war man der Meinung Goethes, dass sich hier ein Wasserbecken befunden hat, dessen Wasser durch die vulkanischen Ausdünstungen eine Brackwasserqualität angenommen hat und die Bohrmuscheln sich so in diesem Milieu aufhalten konnten. Erst durch neuere Forschungen in der Mitte des 20. Jahrhunderts konnte diese Theorie widerlegt werden. Es wurde dabei nachgewiesen, dass sich der Boden in den Phlegräischen Feldern über lange Zeiträume, um immerhin bis zu 12 oder auch mehr Meter, hebt und senkt (Bradysismus) und die Säulen auf diese Weise immer wieder in Brackwasser eintauchen.

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Cuma: erste griechische Kolonie auf dem italienischen Festland

Der 2. Tag widmete sich den Ruinen der griechischen Gründung Cuma. Es wurde ein kleiner begehbarer Abschnitt eines antiken Tunnels besichtigt, sich danach der vermeintlichen Grotte der Sibylle von Cumae (Weissagerin) gewidmet und dann der Berg erklommen, auf dessen Höhe sich der Apollotempel befindet. Dieser wurde von dem sagenhaften griechischen Architekt und Erfinder Dädalus, der auch das kretische Labyrinth erbaute, geschaffen. In Baia, einem Städtchen am Meer, war der archäologische Park das Ziel der Reisegruppe. Es konnten die Ruinen der römischen Thermen und der drei in diesem Gelände befindlichen Tempel besichtigt werden. Außerdem durchschritten wir den begehbaren Teil eines von den Römern für militärische Zwecke gebauten Straßentunnels. Im Tunnel bekamen nur die Damen einen leuchtend gelben Helm. Wahrscheinlich reichten die vorhandenen Helme für die ganze Gruppe nicht aus. Danach erfolgte ein kleiner Fußmarsch zum Tempel des Apollo am Averner See. Einige Personen umrundeten diesen sagenumwobenen See, während sich andere in einem kleinen Ristorante mit Espresso oder Eis erquickten. Anschließend erfolgte die Rückfahrt zum Hotel.

Das Museum der Phlegräischen Felder im Castello Aragonese in Baia war das erste Ziel am nächsten Tag. Das Museum, in dem auch Artefakte aus den durch den Vulkanausbruch des Vesuv von 79 n. Chr. verschütteten Städten gezeigt werden, ist einzigartig. Auf seiner Terrasse bietet es zudem ein herrliches Panorama über die Küste von Baia bis Misenum. Ein weiteres sehr interessantes Bauwerk der Römer befindet sich in Bacoli. Dort kann man eine Zisterne, die Piscina Mirabilis, besichtigen. Während des Mittelalters war die Funktion dieses Bauwerkes unbekannt. Man steigt etliche Meter hinab, denn das gespeicherte Wasser musste kühl gehalten werden. Die Zisterne war so groß, dass Schiffe im nahen Hafenbecken sehr schnell mit Trinkwasser versorgt werden konnten. Wie dies technisch erfolgte, ist auch heute noch unklar, zumal das Auslaufbauwerk nicht gefunden wurde. Hier stellte sich die Reisegruppe zum Foto auf. Zum Ende dieses Tages wurden eine weitere Zisterne, die Grotta Dragonara, und der Ort des römischen Kriegshafens in Misenum besucht.

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Carolino-Aquädukt bei Caserta

Am 3. Juni 2016 gab es „nur“ ein Halbtagsprogramm mit dem Besuch des Aquäduktes von Caserta. Das 38 km lange, dreistöckige Ziegelbauwerk wurde extra für die Wasserspiele eines barocken Sommerschlosses der Bourbonen errichtet. Es ist auch heutzutage noch intakt und wurde zeitweise auch zur Energiegewinnung genutzt (Fallhöhe ca. 19 m). Es ist ein sehr imposantes Bauwerk, durch dessen hohe Torbögen heute eine wichtige Straße verläuft. In seiner Nähe befindet sich außerdem ein Denkmal für die italienischen Opfer des 2. Weltkrieges. Am Nachmittag nahmen einige Personen an einer Führung durch Neapel und seine „Unterwelt“ teil. Besonders gelobt wurde der kleine musikalische Abschluss dieser Besichtigung unter Tage und bei Kerzenschein.

Nur der letzte Ausflugstag stand nicht im Zeichen von Wasserbauwerken, jedoch war trotzdem Wasser der Mittelpunkt dieser Ausfahrt. Entlang der engen, kurvenreichen Küstenstraße ging es über Sorrent und Positano bis Amalfi. Es boten sich, besonders den rechts sitzenden Reisenden, in jeder Kurve andere, herrliche Ausblicke in die Tiefe, auf das Meer, auf die zerklüftete Küste. Nach dem Besuch des berühmten Doms des Hl. Andreas, einer Doppelkirche, in deren Krypta die Reliquien des Apostels Andreas aufbewahrt werden, wurde in ein Boot gestiegen und nun bis Salerno die Küstenlinie vom Wasser aus betrachtet. Weiter ging die Fahrt mit Bus bis nach Paestum mit gut erhaltenen Resten einer griechischen Siedlung aus dem 4. Jahrhundert vor Chr. Die Zerstörungen sind nicht geologisch bedingt, sondern späteren Siedlern zu schulden, die das Baumaterial für ihre neuen Gebäude den alten Bauten entnahmen.

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Amalfi-Küste

Trotz der günstig angelegten "Tangenziale" um Neapel herum ließen sich Verzögerungen durch Stau an allen Tagen nicht verhindern. Besonders schlimm waren die Verkehrsbehinderungen auch auf der Fahrt entlang der Amalfiküste. Von den Reisenden wurde dies jedoch mit Humor aufgenommen. Insgesamt erlebten wir ein sehr interessantes und gut vorbereitetes Programm. Besonderer Dank gilt nicht nur Herrn Prof. Dr. Mathias Döring und der DWhG, sondern auch und speziell der sehr engagierten und wissensreichen Reiseleiterin, Frau Natalia Uliano, sowie dem Busfahrer Gabriele, der wahrlich über Fahrkünste verfügt, nie den Überblick verlor und vor allem trotz des (aus deutscher Sicht) Wahnsinns auf den Straßen Ruhe bewahrte.